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DIN 6930-2: Allgemeintoleranzen für Stanzteile aus Stahl

DIN 6930-2 »Stanzteile aus Stahl – Teil 2: Allgemeintoleranzen« ist die Norm für alle Maße eines Stanzteils, an denen keine eigene Toleranz steht: Längen- und Winkelmaße, Rundungshalbmesser, Koaxialität und Symmetrie in den vier Genauigkeitsgraden f, m, g und sg. Was die Grade bedeuten, wie die Angabe im Schriftfeld aussieht, warum die Blechdicke eine andere Norm hat – und was bei der Erstbemusterung eines Stanz- oder Biegeteils zählt.

Stand: · irot Erstmuster

Geprüft von irot · Fachliche Grundlage: DIN 6930-2:2011-10 · Letzte Prüfung:

Wofür die Norm gilt

DIN 6930-2:2011-10 gilt für kalt- und warmhergestellte Stanzteile aus Flachzeug aus Stahl – und nur, wenn die Zeichnung oder die zugehörigen Unterlagen (etwa die Lieferbedingungen) auf sie verweisen. Die Norm ist gültig; sie ist die technische Überarbeitung der Ausgabe 2010-01, mit erweiterten Nennmaßbereichen und erweiterten Grenzabmaßen für Dickenbereiche und für Winkel an ebenen Stanzteilen. Welche Norm für andere Verfahren gilt – Zerspanung, Guss, Kunststoff, Schweißen –, steht unter Allgemeintoleranzen je Verfahren.

Die Norm unterscheidet zwei Gruppen von Teilen und hat für beide eigene Tabellen:

  • ebene Stanzteile – geschnitten, gelocht, ausgeklinkt, aber nicht umgeformt: Längenmaße, Rundungshalbmesser, Winkelmaße, Koaxialität und Symmetrie;
  • durch Umformen hergestellte Stanzteile – gebogen, gezogen, geprägt: dieselben vier Maßarten, mit eigenen, weiteren Grenzabmaßen.

Die vier Genauigkeitsgrade

Genauigkeitsgrade der DIN 6930-2. Die Grenzabmaße je Grad, Nennmaßbereich und Dickenbereich stehen in den Tabellen der Norm.
GradBedeutungWann üblich
ffeinFeinschneiden, Präzisionsstanzteile, enge Einbaulagen
mmitteldie werkstattübliche Genauigkeit beim Stanzen – der Regelfall
ggrobdicke Bleche, warm hergestellte Teile, unkritische Konturen
sgsehr grobRohteile, die anschließend bearbeitet werden

Anders als ISO 2768 staffelt DIN 6930-2 die Grenzabmaße nicht nur nach dem Nennmaß, sondern auch nach der Dicke des Flachzeugs: Ein 8 mm dickes Teil lässt sich nicht so genau schneiden wie ein 1 mm dickes. Deshalb gehört zur Bemusterung die Dicke des Ausgangsmaterials, aus dem die Musterteile gefertigt wurden.

Im Schriftfeld steht die Norm mit dem Grad: DIN 6930-2 m. Die Spalte »Wann üblich« ist Praxis, keine Normaussage – die Norm legt die Grade fest, nicht ihre Zuordnung zu Verfahren.

Was die Norm nicht toleriert

  • Die Blechdicke selbst. Sie ist ein Maß des Flachzeugs und folgt dessen Liefernorm, nicht DIN 6930-2. Steht auf der Zeichnung »t = 2«, ist die Toleranz die des Bandes oder Blechs – im Bericht gehört die Herkunft der Toleranz dazu.
  • Grat, Einzug und Schnittflächenanteil. Das sind Merkmale der Schnittfläche, keine Maße mit Grenzabmaß. Wenn der Kunde sie verlangt, stehen sie als eigene Anforderung auf der Zeichnung oder in der Lieferbedingung.
  • Form und Lage jenseits von Koaxialität und Symmetrie. Ebenheit eines gestanzten Blechs oder Rechtwinkligkeit eines Schenkels verlangt eine eigene Eintragung.

Was bei der Erstbemusterung eines Stanzteils zählt

  1. Messseite festlegen. Ein Schnitt hat eine Gratseite und eine Einzugseite; das Maß ändert sich je nachdem, wo der Messschnabel anliegt. Die Messseite steht im Prüfplan, damit fünf Musterteile gleich gemessen werden.
  2. Biegeteile nach dem Umformen messen. Rückfederung macht den Winkel zum kritischen Merkmal; die Winkeltoleranz der Norm gilt am fertigen Teil, nicht an der Abwicklung.
  3. Werkstoffnachweis mit Dicke. Das Zeugnis des Flachzeugs trägt Güte, Charge und Nenndicke – das Gegenstück zum Stabstahlzeugnis des Drehers.
  4. Folgeverbundwerkzeug: jede Stufe hat ihre Merkmale. Lochbild, Kontur und Biegung entstehen in verschiedenen Stationen; ein Befund am Lochabstand führt zu einer anderen Station als ein Befund am Biegewinkel. Das Prüfplan-Merkmal nennt die Station, der 8D-Bericht findet sie wieder.

So liest irot Erstmuster die Zeichnung eines Stanzteils

irot Erstmuster liest die Allgemeintoleranz aus dem Schriftfeld und kennzeichnet jedes Maß ohne eigene Toleranz – bei DIN 6930-2 mit Norm und Genauigkeitsgrad; die Grenzabmaße der Tabelle trägt der Prüfer ein, weil die Norm nicht hinterlegt ist. Mit ISO 2768 wird nur gerechnet, wenn sie auf der Zeichnung steht, etwa für die zerspanten Maße einer Baugruppe. Die Blechdicke führt der Bericht als Maß mit der Toleranz des Flachzeugs.

Häufige Fragen

Was regelt DIN 6930-2?
Allgemeintoleranzen für kalt- und warmhergestellte Stanzteile aus Flachzeug aus Stahl: Längen- und Winkelmaße, Rundungshalbmesser, Koaxialität und Symmetrie, getrennt für ebene und für umgeformte Stanzteile.
Welche Genauigkeitsgrade gibt es?
Vier: f (fein), m (mittel), g (grob) und sg (sehr grob). Der Grad steht mit der Norm im Schriftfeld, zum Beispiel »DIN 6930-2 m«.
Gilt ISO 2768 für Stanzteile?
Nur, wenn die Zeichnung sie nennt. Die Norm für Stanzteile aus Stahl ist DIN 6930-2; ihre Grenzabmaße berücksichtigen auch die Dicke des Flachzeugs.
Toleriert DIN 6930-2 die Blechdicke?
Nein. Die Dicke ist ein Maß des Ausgangsmaterials und folgt der Liefernorm des Bandes oder Blechs. DIN 6930-2 toleriert die Maße, die beim Stanzen und Umformen entstehen.
Ist DIN 6930-2 aktuell?
Ja. Die Ausgabe 2011-10 ist bei DIN Media als gültig geführt; sie ersetzt die Ausgabe 2010-01 mit erweiterten Nennmaß- und Dickenbereichen.

Quellen und Stand

  • DIN 6930-2:2011-10: »Stanzteile aus Stahl – Teil 2: Allgemeintoleranzen«, gültig, 16 Seiten. DIN Media, https://www.dinmedia.de/de/norm/din-6930-2/144419727, gelesen am 16.10.2026.
  • Die Zuordnung der Grade zu Verfahren und die Hinweise zur Bemusterung sind Praxis aus Stanzbetrieben, keine Normaussage; maßgeblich sind Norm und Kunde.

Normtexte sind urheberrechtlich geschützt und kostenpflichtig. Wir geben ihren Inhalt sinngemäß wieder; maßgeblich sind die Norm in der gültigen Fassung und die Vorgaben Ihres Kunden.