Zum Inhalt springen
Erstmuster

Wissen

ISO 8062-3: Allgemeintoleranzen für Gussstücke – DCTG, GCTG, RMAG

Für Gussstücke gilt nicht ISO 2768, sondern ISO 8062-3: »Allgemeine Maß-, Form- und Lagetoleranzen und Bearbeitungszugaben für Gussstücke«. Die Norm arbeitet mit drei Graden – DCTG für Maße, GCTG für Form und Lage, RMAG für die Bearbeitungszugabe – und seit Mai 2023 in der neuen Ausgabe DIN EN ISO 8062-3:2023-05. Was die Grade bedeuten, was auf der Zeichnung steht, und was bei der Erstbemusterung eines Gussteils anders ist als beim Drehteil.

Stand: · irot Erstmuster

Geprüft von irot · Fachliche Grundlage: DIN EN ISO 8062-3:2023-05 · Letzte Prüfung:

Wofür die Norm gilt

DIN EN ISO 8062-3:2023-05 ist Teil des GPS-Systems (Geometrische Produktspezifikation) und legt für Gussstücke im Lieferzustand allgemeine Maß-, Form- und Lagetoleranzen sowie Bearbeitungszugaben fest – für Gussstücke mit ±-Toleranzen für die angegebenen Maße, so der volle Titel. Sie ersetzt die Ausgabe 2008-09. Neu aufgenommen wurden Regelungen zu Formschrägen mit eigenen Definitionen für äußere und innere Formschrägen sowie zusätzliche Anforderungen an Tolerierung und Bezugssysteme.

Behandelt werden Geradheit, Ebenheit, Rundheit, Parallelität, Rechtwinkligkeit, Koaxialität und Symmetrie, die Angaben in technischen Zeichnungen und die Anforderungen an die Bewertung von Gussstücken. Welcher Grad erreichbar ist, hängt vom Gießverfahren und vom Werkstoff ab: Druckguss hält engere Grade als Sandguss, und die Norm gibt dafür eine Orientierung. Welche Norm für andere Verfahren gilt – Zerspanung, Kunststoff, Schweißen, Stanzen –, steht unter Allgemeintoleranzen je Verfahren.

Die drei Grade: DCTG, GCTG, RMAG

Die Grade der ISO 8062-3. Die Werte je Grad und Nennmaßbereich stehen in den Tabellen der Norm.
GradSteht fürToleriert
DCTGDimensional Casting Tolerance Grade – Maßtoleranzgraddie Längenmaße des Rohgussteils; je höher die Zahl, desto gröber
GCTGGeometrical Casting Tolerance Grade – Form- und LagetoleranzgradGeradheit, Ebenheit, Rundheit, Parallelität, Rechtwinkligkeit, Koaxialität, Symmetrie ohne einzelne Eintragung
RMAGRequired Machining Allowance Grade – Bearbeitungszugabengradwie viel Material an den später bearbeiteten Flächen stehen bleibt – kein Prüfmaß, sondern eine Zusage an die Zerspanung

Auf der Zeichnung steht die Norm mit den Graden, etwa ISO 8062-3 – DCTG 10 – GCTG 5 – RMAG G (die Schreibweise mit den drei Graden; die Werte sind ein Beispiel für die Form der Angabe, kein Vorschlag). Dazu kommen die Formschrägen und oft ein Bezugssystem aus Gussbezügen, auf das sich alle Rohgussmaße beziehen.

Rohguss und Bearbeitung: zwei Toleranzen auf einer Zeichnung

Die meisten Gusszeichnungen zeigen das Teil nach der Bearbeitung. Die zerspanten Flächen tragen dann eigene Toleranzen oder ISO 2768, der Rohguss ISO 8062-3. Welches Maß zu welcher Welt gehört, muss im Prüfplan stehen: Ein Rohgussmaß gegen eine Zerspanungstoleranz zu prüfen, ist der häufigste Fehler bei der Bemusterung eines Gussteils – es ist fast immer n.i.O., obwohl das Teil in Ordnung ist.

Was bei der Erstbemusterung eines Gussteils anders ist

  1. Rohguss und Fertigteil getrennt bemustern. Oft verlangt der Kunde beides: den Rohguss mit den Maßen nach ISO 8062-3 und das bearbeitete Teil. Zwei Prüfpläne, ein Bericht mit klarer Zuordnung.
  2. Bezugssystem aus Gussbezügen. Ohne Bezugspunkte lässt sich ein Rohgussteil nicht wiederholbar aufspannen. Die Bezüge der Zeichnung werden im Prüfplan übernommen; wer mit Koordinatenmessgerät oder 3D-Scan misst, richtet daran aus.
  3. Formschrägen beim Messen beachten. Ein Maß an einer schrägen Wand ändert sich mit der Messhöhe. Die Norm definiert, wo gemessen wird; der Prüfplan nennt die Stelle.
  4. Modell, Form und Kavität kennzeichnen. Welche Form, welches Modell und bei Mehrfachformen welche Kavität die Musterteile lieferte, steht im Bericht – ein Befund gehört zu einer Form, nicht zu »dem Guss«.
  5. Werkstoffnachweis als Schmelzanalyse. Das Zeugnis nennt die Schmelze bzw. Charge und die Analyse; Gefüge, Lunker und Porosität sind eigene Prüfungen außerhalb der Maßprüfung.

So liest irot Erstmuster die Zeichnung eines Gussteils

Steht ISO 8062-3 mit DCTG-, GCTG- oder RMAG-Grad im Schriftfeld, erkennt irot Erstmuster Norm und Grade und kennzeichnet jedes Maß ohne eigene Toleranz damit; die Werte trägt der Prüfer aus der Tabelle ein. Steht daneben ISO 2768 für die bearbeiteten Maße, rechnet das Programm diese Grenzmaße und macht sichtbar, dass für die Rohgussmaße die andere Norm gilt. Welches Maß Rohguss und welches Bearbeitung ist, entscheidet der Prüfer – und der Bericht hält es fest.

Häufige Fragen

Was bedeutet DCTG?
Dimensional Casting Tolerance Grade – der Maßtoleranzgrad nach ISO 8062-3 für die Längenmaße des Rohgussteils. Je höher die Zahl, desto gröber die Toleranz.
Was bedeuten GCTG und RMAG?
GCTG ist der Form- und Lagetoleranzgrad (Geradheit, Ebenheit, Rundheit, Parallelität, Rechtwinkligkeit, Koaxialität, Symmetrie), RMAG der Bearbeitungszugabengrad – wie viel Material an den später bearbeiteten Flächen stehen bleibt.
Gilt ISO 2768 für Gussteile?
Für die Rohgussmaße gilt ISO 8062-3. ISO 2768 gilt nur für die bearbeiteten Maße und nur, wenn die Zeichnung sie nennt. Beide auf einer Zeichnung sind der Normalfall.
Ist ISO 8062-3 von 2008 noch gültig?
Nein. DIN EN ISO 8062-3:2023-05 ersetzt die Ausgabe 2008-09; neu sind unter anderem Regelungen zu Formschrägen und zusätzliche Anforderungen an Tolerierung und Bezugssysteme.
Was steht bei einem Gussteil im Erstmusterprüfbericht?
Die Rohgussmaße mit ihrer Toleranz nach ISO 8062-3, die bearbeiteten Maße mit ihrer eigenen Toleranz, das Bezugssystem, Form und Kavität der Musterteile und der Werkstoffnachweis mit Schmelze oder Charge.

Quellen und Stand

  • DIN EN ISO 8062-3:2023-05: »Geometrische Produktspezifikationen (GPS) – Maß-, Form- und Lagetoleranzen für Formteile – Teil 3: Allgemeine Maß-, Form- und Lagetoleranzen und Bearbeitungszugaben für Gussstücke mit ± Toleranzen für die angegebenen Maße (ISO 8062-3:2023)«, gültig, 47 Seiten, ersetzt die Ausgabe 2008-09. DIN Media, https://www.dinmedia.de/de/norm/din-en-iso-8062-3/365969856, gelesen am 16.10.2026.
  • Die Hinweise zur Bemusterung (Rohguss und Fertigteil, Bezüge, Kavitäten, Schmelzanalyse) sind Praxis aus Gießereien und ihren Zulieferern, keine Normaussage; maßgeblich sind Norm und Kunde.

Normtexte sind urheberrechtlich geschützt und kostenpflichtig. Wir geben ihren Inhalt sinngemäß wieder; maßgeblich sind die Norm in der gültigen Fassung und die Vorgaben Ihres Kunden.